Mittwoch, 09. Juni 2021 | News | Blog, Mitgliedernews, Gründernews

Wie das Augsburger Startup Charge@Friends eine Sharingplattform für E-Ladestationen aufbauen will

E-Mobilität ist in aller Munde und nimmt in ganz Europa fahrt auf. Allein 2021 wurden laut Statista.com in Deutschland bereits 88.510 Neuzulassungen für Elektroautos verzeichnet, auch der Markt für Plug-In-Hybride boomt.

Bildrechte: Charge at Friends GmbH, v.l.n.r. die Gründer von Charge at Friends Ralf Kinauer, Alexander Marseille und Rainer Lindner.

Bildrechte: Charge at Friends GmbH, v.l.n.r. die Gründer von Charge at Friends Ralf Kinauer, Alexander Marseille und Rainer Lindner.

Nach wie vor haben E-Auto Besitzer jedoch stark eingeschränkte Lademöglichkeiten, denn Ladestationen sind meist dort, wo man eigentlich gar nicht hinwill, sondern extra hinfahren muss. Die drei Gründer von Charge@Friends gründeten 2020 das Augsburger Startup mit dem Fokus, eine Sharingplattform für E-Ladestationen aufzubauen und so einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Elektromobilität zu leisten.

Get to know: Charge@Friends!

Ihr möchtet mit Charge@Friends eine Sharingplattform für E-Ladestationen aufbauen. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen? Wer kann sich bei euch registrieren und wie genau soll das für die Nutzer:innen funktionieren?
Es gab zwei Auslöser für die Idee: Erstens, weil es uns als E-Autofahrer immer wieder geärgert hat, wenn wir irgendwo ankamen und keine Gelegenheit fanden, das Auto zu laden. Zweitens, weil wir auf der Suche nach einem Mehrwert für Ralfs Photovoltaik-Kunden waren, die bisher nur zwei Verwendungsmöglichkeiten für ihren erzeugten Strom hatten: Entweder selbst verbrauchen oder billig ins Netz einspeisen.

Jeder, der eine Wallbox hat und andere laden lassen möchte, kann mitmachen. Bei der Registrierung gibt man Ort, Ladeleistung, Preis pro Kilowattstunde und ein Bankkonto an, auf das die Erlöse ausgezahlt werden sollen. Dann noch den Charge@Friends QR-Code auf die Wallbox kleben – den Rest erledigen wir. Einzige technische Voraussetzung ist ein geeichter Zähler an der Wallbox, der bei Bedarf für ca. 100 € Materialwert plus Installationskosten einfach nachgerüstet werden kann.

Als E-Autofahrer:in kann man ganz einfach teilnehmen: Charge@Friends App runterladen, Zahlungsmittel hinterlegen, fertig! Die Stationen sind über die App zu finden und können – wenn man das möchte – vorab reserviert werden. Abgerechnet wird nach Kilowattstunden und die Zahlung erfolgt direkt am Ende des Ladevorgangs. Natürlich gibt es einen Beleg – der in der App hinterlegt ist und per E-Mail zugeschickt wird.

E-Ladestationen sieht man immer häufiger an Tankstellen, Parkplätzen oder öffentlichen Plätzen.
Was unterscheidet eure Lösung von den bisherigen Angeboten?

Unsere Lösung unterscheidet sich vor allem in drei Punkten:

Erstens stehen Ladestationen heute meist dort, wo man eigentlich gar nicht hinwill, sondern zum Laden extra hinfahren muss. Dabei macht es so viel mehr Sinn, dort zu laden, wo man eh parkt. Charge@Friends Stationen ergänzen das bestehende Ladenetz in der Fläche: Für Privatpersonen und Unternehmen hat es eine Reihe an Vorteilen, ihre Wallboxen für andere zur Verfügung zu stellen:  Der Verkauf von Strom – besonders selbst erzeugter Photovoltaikstrom - bringt zusätzliche Einnahmen. Die gemeinsame Nutzung von Wallboxen – z.B. in einem Nachbarschafts-Szenario – spart Investitionskosten. Und für Gewerbetreibende ist es ohne große Investition möglich, über eine geteilte Wallbox Lademöglichkeiten für ihre Kunden anzubieten.

Zweitens erwarten wir, dass die Preise an Charge@Friends Stationen günstig sein werden. Warum? Weil die Anschaffung einer Wallbox nur den Bruchteil einer öffentlichen Ladestation kostet und praktisch keine Betriebskosten anfallen. Wenn dazu der/die Anbieter:in selbst erzeugten Strom hat, kann er Stand heute locker doppelt so viel erlösen im Vergleich zur Netzeinspeisung und trotzdem viel günstiger anbieten als eine kommerzielle Ladestation.

Drittens ist die Nutzung einfach und komfortabel: Charge@Friends Stationen können gebucht werden, damit man sich sicher sein kann, dass die Lademöglichkeit bei Eintreffen auch verfügbar ist. Abgerechnet und ausgezahlt wird nach jedem Ladevorgang – ganz ohne Vertragsbindung.

Ihr bringt viel Erfahrung aus unterschiedlichen Bereichen und Branchen mit. Eine Gründung bedeutet immer auch ein gewisses Risiko. Warum seid ihr nicht einfach bei euren bisherigen sicheren Anstellungen geblieben? Was treibt euch an?
Wir haben uns ja bereits einige Jahre in der Energie-, Software- und Internetbranche getummelt und so manches umgesetzt in den Bereichen Softwareentwicklung, Vertrieb und Marketing. In den vergangenen zwei Jahren haben wir die Idee von Charge@Friends entwickelt und das Produkt so weit vorangetrieben, dass wir jetzt im Testbetrieb sind. Irgendwann geht das nicht mehr aus bestehenden Tätigkeiten heraus, weil es ab einem bestimmten Punkt einfach Fokus braucht, sonst ist das nicht zu schultern. Aus diesem Grund haben wir 2020 die Charge at Friends GmbH gegründet.

Was uns antreibt, ist das Potential, das wir in unserem Projekt sehen. Die neuen Möglichkeiten für die Teilnehmer:innen an unserer Plattform - und natürlich die Chance, einen kleinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Elektromobilität zu leisten. Wir sind überzeugt, dass der Zeitpunkt günstig ist, jetzt zu starten.

Im Moment läuft bei euch eine erste Testphase. Habt ihr hieraus schon erste Erkenntnisse? Was sind dann eure nächsten Schritte?
Letzten November sind wir in den Pilotbetrieb gestartet, um die Technik zu testen. Seit März sind wir in der Closed Beta, um mit einer überschaubaren Anzahl von Teilnehmer:innen die Abläufe durchzuspielen und die usability weiterzuentwickeln. Dabei erzeugen wir erste Umsätze, was viel Freude macht. Wer Interesse hat mitzumachen, kann sich gerne auf www.chargeatfriends.com dafür registrieren.

Der nächste wichtige Schritt ist nun, einen Investor an Bord zu bekommen und das Team auszubauen, um das Produkt wie geplant weiterzuentwickeln und das geplante Wachstum in Angriff zu nehmen.

Von welchen Startup Herausforderungen träumt ihr nachts?
Da sind ganz klar zwei Dinge: 1. Einen Investor gewinnen, der unsere Vision teilt und 2. die richtigen Mitstreiter:innen finden, vor allem gute Coder:innen für unsere Produktentwicklung.

Zu guter Letzt: Wen (Vorbild, Gründer, Unternehmer, Visionär…) würdet ihr gerne einmal auf einen Kaffee in euer Büro einladen?
Elon Musk. Oder wenn der nicht kann, Frank Thelen.

Mehr über Charge@Friends findet ihr auf: www.chargeatfriends.com!

Das Interview führte Tobias Seemiller, Gründercoach und Accelerator Manager beim DZ.S, mit den Gründern von Charge@Friends Ralf Kinauer, Rainer Lindner und Alexander Marseille.