Samstag, 30. August 2014 | Gründernews

Crowdinvesting: Zukunftsperspektive zur Finanzierung von Start-ups?

Die EFNW GmbH, ein An-Institut der Universität Oldenburg, hat sich nun mit dieser neuen Form der Finanzierung für Startups beschäftigt und die Studie „Zukunftsperspektiven im Crowdinvesting – eine Analyse der Entwicklung in Deutschland zwischen 2011 bis 2014“ herausgegeben.

Crowdinvesting ist eine neue Form der Eigenkapitalgewinnung für innovative Unternehmen: Private Kleininvestoren stellen über eine webbasierte Plattform Beteiligungskapital zur Verfügung, um innovative Start-ups zu unterstützen. Anders als beim Crowdfunding erhält der Kapitalgeber eine Erfolgsbeteiligung vom finanzierten Unternehmen.

 

Die Studie ist soeben erschienen und liefert neben aktuellen Zahlen zu Finanzierungsvolumina und Markanteilen erstmalig auch Einblicke in das Verhalten von Crowdinvestoren. 


„Wir haben unter anderem festgestellt, dass die Klasse der Mehrfachinvestoren mit vergleichsweise hohen durchschnittlichen Investments von mehr als 1.000 Euro derzeit am stärksten wächst“, so Dr. Heike Hölzner, Geschäftsführerin der EFNW GmbH. Gleichzeitig seien die Renditeerwartungen von Crowdinvestoren vergleichbar mit denen von Business Angels – also von Investoren, die sehr früh in Existenzgründungen investieren und mit Know-how unterstützend zur Seite stehen. Die meisten der Crowdinvestoren schätzten ihre erzielbare Rendite auf maximal 20 Prozent pro Jahr ein. „Wir haben es also längst nicht mehr nur mit dem bloßen ‚Spaßinvestor’ zu tun. Über die Jahre hinweg zeichnet sich ein eindeutiger Professionalisierungstrend ab“, betont Hölzner.

Die durch den deutschen Sparkassen- und Giroverband geförderte Untersuchung basiert auf einem Multimethodenansatz, um Crowdinvesting möglichst umfassend analysieren zu können. Die WissenschaftlerInnen werteten unter anderem einen Datensatz von mehr als 25.000 Einzelinvestments aus, die auf den Plattformen Seedmatch und Companisto getätigt wurden. So konnten sie belegen, dass zwischen 2012 und 2014 circa 60 Prozent aller Crowdinvestments von Mehrfachinvestoren durchgeführt wurden. Insgesamt investiert der Großteil der Investoren früh viel und eher kleine Beträge. Höhere Beträge werden dann investiert, wenn erkennbar ist, dass ein Investment tatsächlich zustande kommt.

Insgesamt konnten die Wissenschaftler fünf verschiedene Typen von Crowdinvestoren charakterisieren: Den „Spaßinvestor“ treibt die Freude an Innovationen an. Er investiert durchschnittlich 25 Euro und finanziert meistens eine Vielzahl an Startups. Der „Produkt-Jünger“ investiert in wenige ausgewählte Startups, von deren Produkten oder Dienstleistungen er überzeugt ist. Die „Friends & Family“-Investoren identifizieren sich mit dem Gründungsteam, dem sie durch eine vergleichsweise hohe Anschubfinanzierung unter die Arme greifen. Sie erwarten keine hohe, aber doch positive Rendite. Im Gegenteil dazu steht der „Rendite-Investor“, der Beträge ab 250 Euro investiert. Sein primäres Ziel ist es, Rendite zu erzielen, die oberhalb der Zinserträge klassischer Anlageprodukte liegen. Der „Crowd Angel“ setzt sich im Vergleich zum „Rendite-Investor“ stärker und vor allem unterstützend mit den Startups auseinander. Seine durchschnittliche Investitionshöhe liegt bei 5.000 Euro.

„Wir möchten mit unserer Studie einen Beitrag zum besseren Verständnis des Phänomens Crowdinvesting leisten und Impulse für die aktuelle Debatte um notwendige Formen der Regulierung, aber auch Weiterentwicklungen dieser innovativen und potenzialreichen Finanzierungsform liefern“, so Hölzner weiter.

In den kommenden Monaten werden die Forschungsergebnisse in Vorträgen, Workshops und Seminaren mit Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutiert. „Die Oldenburg-Studie bietet mit zahlreichen neuen Erkenntnissen einen systematischen Überblick über den sich dynamisch entwickelnden Crowdinvesting-Markt“, betont Christin Friedrich, Geschäftsführerin der Crowdinvesting-Plattform Innovestment. Torsten Müller, Mitgründer des Startups Tame, fasst den Bedarf der Gründerszene an Crowdinvesting-Forschung zusammen: „Für uns war die Finanzierung über Crowdinvesting ein wichtiger Baustein, jedoch ist nicht jedes Startup dafür gleichermaßen geeignet und erfolgreich. Hier können wissenschaftliche Untersuchungen helfen, bereits im Vorfeld Marktcharakteristika und Investitionsdynamiken zu verstehen.“

Das An-Institut EFNW ist eine der drei tragenden Säulen der Gründerinnen- und Gründeruniversität, für das die Universität Oldenburg 2011 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des EXIST IV-Programms ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit der Stiftungsprofessur Entrepreneurship und dem Gründungs- und Innovationszentrum unterstützt das EFNW Studierende und Mitarbeiter der Universität bei der Umsetzung ihrer Gründungsideen. Das EFNW ist vor allem in den Feldern Geschäftsmodellentwicklung und Finanzierung aktiv und bietet neben Startups auch etablierten Unternehmen ein vielfältiges Coaching- und Beratungsangebot.

 

Weitere Informationen / Quelle:

www.efnw.de/crowdinvesting