Freitag, 12. April 2019 | News | Blog, Mitgliedernews, Branchennews

Digitalisierung beginnt im Kopf - Interview mit Klaus Stöckert #digital

Klaus Stöckert ist Experte für Digitalisierung und Changemanagement. Seinen Erfahrungsschatz sammelte er in der Zeit als Geschäftsführer eines internationalen IT-Marktführers. Sein Schwerpunkt war die Transformation der Geschäftsmodelle von einem Technologieanbieter zu einem Software- und Serviceunternehmen. Er hat immer den Menschen im Blick und damit im Mittelpunkt bei der erfolgreichen Umsetzung der Digitalstrategie.

© aitiRaum | Digitales Zentrum Schwaben (DZ.S) - Klaus Stöckert (li.) mit Stefan Schimpfle

© aitiRaum | Digitales Zentrum Schwaben (DZ.S) - Klaus Stöckert (li.) mit Stefan Schimpfle

Klaus Stöckert leitet und moderiert seit Januar 2019 die HR-Lounge im aitiRaum-Netzwerk - ein Austauschformat für die Mitgliedsunternehmen unseres Netzwerkes. Der nächste Termin findet am 28. Juni zum Schwerpunktthema Personalentwicklung statt.

Was hast Du Dir für die „HR-Lounge“ vorgenommen?
Da Führung im Digitalen Zeitalter einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, möchte ich mit meiner langjährigen Erfahrung zum Dialog beitragen. Ich will die Themen behandeln, die den Mitgliedsunternehmen des aitiRaum-Netzwerkes wichtig und heute, aber auch gerade zukünftig von hoher Bedeutung sind, so z. B. Personalentwicklung, Talente, Firmen- und Führungskultur, Werteversprechen und besonders Changemanagement. Dabei sollen vor allem neue kreative Ansätze im Mittelpunkt der Diskussion stehen, die eine agile Teamstruktur ermöglichen und damit die Voraussetzungen für den Digitalen Wandel schaffen.

Welche Vorteile haben Unternehmen, die frühzeitig ihre Digitalstrategie umsetzen?
Genau die Umsetzung ist der Schlüssel einer erfolgreichen Digitalen Transformation. Der Vorteil einer frühzeitigen Umsetzung der Digitalstrategie liegt darin, dass man gegebenenfalls noch frei und ohne Einflüsse vom Markt agieren kann. Mann kann seine Organisation und die Unternehmenskultur sensibel auf die neuen Bedürfnisse digitaler Kunden und der Marktordnung vorbereiten. Einer der wichtigsten Vorteile ist für mich, rechtzeitig mit dem Changeprozess im Unternehmen zu beginnen.

Welche Unternehmenskultur unterstützt die Digitalisierung?
Eine digital-freundliche Unternehmenskultur, die die tatsächlich gelebten Werte, Normen und Leitlinien auf die Digitale Transformation ausrichtet. Wichtig ist insbesondere, dass das Verständnis für den notwendigen Wandel vor allem bei den Führungskräften, aber auch bei den Mitarbeitern angekommen ist und Maßnahmen eingeleitet werden, die diese agile Formen der Zusammenarbeit ermöglichen. Diese Offenheit gegenüber modernen Technologien, Arbeits- und Kommunikationsformen muss durch eine digital-freundliche Unternehmenskultur unterstützt werden.

Wie wird sich die Rolle der Führungskraft im Digitalen Zeitalter verändern?
Das Führen mit emotionaler Intelligenz ist die neue Rolle einer Führungskraft in der Digitalisierung. Die Führungskraft der digitalen Zukunft spricht neben dem Kopf der Mitarbeiter vor allem auch deren Herzen an. Empathie und Authentizität sind wichtig, damit der Manager von morgen, mehr Ermöglicher statt Allwissender ist. „Culture eats strategy for breakfast“ hat Peter Drucker einmal treffend formuliert. Ehrlichkeit und Integrität werden wichtiger als Sollerfüllung und Null-Fehler-Toleranz. Die richtige Führungskultur ist dafür entscheidend.

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei der Digitalen Transformation?
Eine zentral-entscheidende Rolle für eine erfolgreiche Umsetzung der Digitalstrategie. Wenn es gelingt die Mitarbeiter mehr am Unternehmen als im Unternehmen arbeiten zu lassen, entsteht eine neue Kultur der Selbstverantwortung. Wer frühzeitig in seine Mitarbeiter investiert, wird sie und das Unternehmen fit machen für die Anforderungen der Zukunft. Die entscheidende Rolle spielen die Mitarbeiter - wie sie arbeiten, welche Kenntnisse sie haben und welche Fähigkeiten sie in einem geänderten Arbeitsumfeld benötigen, damit sie zu Mitgestaltern des Wandels werden.

Wo siehst Du für den Mittelstand zwingenden Handlungsbedarf?
Sich mit der Thematik sehr schnell ganzheitlich zu befassen und mit Unterstützung einen Umsetzungsplan für Ihre Digital-Strategie aufzusetzen. Wer frühzeitig in die Digitalisierung investiert, wird in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben. Neuerung müssen vor allem im Betriebsablauf und in der Außendarstellung erfolgen. Unser Mittelstand hat eine hervorragende Startposition, muss sich aber noch schneller zu dynamisch-kundenzentrierten Unternehmen entwickeln. Dabei ist das Erschließen von neuen Geschäftsfeldern und die Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen wichtig, die digitale Unternehmensstruktur sogar ein Muss!

Ersetzt die Technologie (z.B. Künstliche Intelligenz) den Menschen?
Künstliche Intelligenz (KI) wird richtig eingesetzt den Menschen unterstützen und seine Produktivität steigern. Durch die Digitalisierung werden Jobs wichtiger, bei denen Mitarbeiter mit Kunden in Kontakt treten. Dabei handelt es sich meist um Tätigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen. Wiederkehrende und einfache Aufgaben, die sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz lösen lassen, werden zunehmend wegfallen. Hier besteht natürlich ohne politische, ökonomische und ethische Rahmenbedingungen die Gefahr einer unkontrollierten Entwicklung.